Mund aufmachen
Rassismus zeigt sich nicht nur in offenen Beleidigungen oder Angriffen. Er
begegnet Menschen auch in beiläufigen Bemerkungen, wiederholten Fragen, Blicken, Zuschreibungen oder vermeintlich harmlosen Witzen. Oft werden solche Erfahrungen als Missverständnis oder Überempfindlichkeit abgetan. Für Betroffene sind sie jedoch Teil einer gesellschaftlichen Realität, in der Menschen unterschiedlich behandelt, eingeordnet und ausgeschlossen werden.
Solche alltäglichen Formen rassistischer Diskriminierung stehen nicht für sich allein. Sie entstehen in einer Gesellschaft, in der Vorstellungen darüber, wer dazugehört, wer als fremd wahrgenommen wird und wem bestimmte Fähigkeiten oder Eigenschaften zugeschrieben werden, weiterhin wirksam sind.
Die Kampagne „Mund aufmachen“ macht solche Erfahrungen sichtbar und gibt den Perspektiven von Menschen Raum, die Rassismus erleben.
Dabei geht es nicht nur darum, einzelne Menschen für verletzende Aussagen zu sensibilisieren. Die Kampagne will dazu anregen, genauer hinzusehen: Welche Vorstellungen und Zuschreibungen begegnen uns im Alltag? Wann wird jemand als nicht zugehörig behandelt? Wer kann sich selbstverständlich bewegen und äußern, und wer muss sich immer wieder erklären?
Die Botschaft lautet: Sag was.
Wer Rassismus erlebt, soll damit nicht allein bleiben. Wer ihn beobachtet, kann widersprechen und Verantwortung übernehmen. Und wer auf eigene Vorurteile oder eingeübte Vorstellungen aufmerksam gemacht wird, sollte zuhören und bereit sein, sie zu hinterfragen.
Rassismus verschwindet nicht dadurch, dass wir ihn übersehen. Veränderung beginnt dort, wo Erfahrungen ernst genommen, Ungleichheiten benannt und diskriminierende Strukturen nicht als selbstverständlich hingenommen werden.