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07.10.2016

Sprachlehrkräfte und Servicestelle 'Interkulturelles Lernen in Kita und Schule' sind keine Sofortmaßnahmen

Das Landesnetzwerk für Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt (LAMSA) e.V. ist sehr verwundert, dass der Bildungsminister Marco Tullner die Reduzierung der Sprachlehrkräfte in Sachsen-Anhalt von 250 auf 50 Personen folgendermaßen erklärt: „Die große Zahl an Flüchtlingen erforderte damals Sofortmaßnahmen. Die befristete Einstellung war eine dieser Maßnahmen“ (Pressemitteilung vom 28. September 2016).

Laut Landeschulamt benötigen im September 2016 knapp 7400 Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen in Sachsen-Anhalt Sprachunterricht. Wie wollen wir diese Kinder und Jugendlichen mit nur 50 unbefristeten Lehrstellen unterrichten?

Das Bildungsministerium wählt hier einen riskanten Weg. Die Vorstellung, Integrationsmaßnahmen wie die Einstellung von Sprachlehrkräften seien keine langfristig anzulegenden Strategien, sondern würden binnen weniger Monate ihren Zweck erfüllen, erinnern an verschiedene, weitreichende Folgen verpasster Integrationsangebote in der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten. Nicht zuletzt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen warnt vor den Konsequenzen, wenn Kinder und Jugendliche im deutschen Bildungssystem benachteiligt werden und deutlich geringere Chancen auf einen guten Bildungsabschluss und die anschließende Arbeitsmarktintegration haben. Die Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland ankommen, bringen häufig eine hohe Lernmotivation mit. Es ist wichtig, sie so schnell es geht unter anderem über die Sprachlehrkräfte dazu zu befähigen, am Unterricht teilzunehmen. Wir fordern daher, dass bestehende Sprachlehrstellen nicht gekürzt werden und stattdessen noch stärker in die Qualifizierung des Personals investiert wird. Hiervon profitieren letztlich alle Schüler*innen und Bildungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt.

Gleichermaßen waren wir überrascht, dass das Bildungsministerium außerdem die Einstellung der Förderung der Servicestelle „Interkulturelles Lernen in Kita und Schule“ plant. Die Servicestelle berät, qualifiziert und unterstützt seit September 2015 zahlreiche pädagogische Institutionen in Sachsen-Anhalt angesichts der gestiegenen Zuwandererzahlen und der daraus resultierenden Herausforderungen.

Minister Tullner versicherte hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen in einem Interview am 25. August 2016 sowie in einem Gespräch am 06. September 2016, dass eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem LAMSA e.V. als zivilgesellschaftlicher Partner, explizit: der Servicestelle „Interkulturelles Lernen in Kita und Schule“ als Anlaufstelle für Pädagog*innen, durch das Ministerium für Bildung angestrebt werde.

Durch die Streichung der Fördermittel um zwei Drittel ist ein Fortbestehen des kontinuierlich angefragten Projektes nicht mehr zu gewährleisten.

Daher fordern wir Herrn Minister Tullner auf, die getroffenen Entscheidungen zu überdenken. Die Servicestelle hat sich im letzten Jahr zu einem wichtigen Ansprechpartner für Pädagog*innen aus ganz Sachsen-Anhalt entwickelt und wird alles daran setzen, diese Aufgabe auch im nächsten Jahr fortsetzen zu können!

 

Hintergrundinformation zur Arbeit der Servicestelle „Interkulturelles Lernen in Kita und Schule“:

Zahlreiche Anfragen per Telefon oder via Email, sowie Beratungsprozesse an etwa 80 verschiedenen Einrichtungen verdeutlichen täglich, wie viele Fragen und auch wie viel Unsicherheit in Bezug auf Zusammenarbeit mit Eltern sowie die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund herrscht.

In den letzten 12 Monaten hat die Servicestelle 25 Weiterbildungen für Pädagog*innen durchgeführt und dabei mehr als 300 Pädagog*innen qualifiziert. Daneben wurden an 16 Einrichtungen im Land langfristige Prozesse zur interkulturellen Öffnung gestartet und durch die Servicestelle begleitet. Weiterhin wurde durch unsere Arbeit die Realisierung von bisher 20 langfristigen Kooperationsvorhaben zwischen Einrichtungen und Migrantenorganisationen ermöglicht, was in hohem Maße an den besonderen Kompetenzen unser LAMSA-Mitarbeiter*innen und unser Kooperationspartner Freiwilligen Agentur Halle- Saalkreis e.V- und Freiwilligenagentur Magdeburg e.V.  im Bereich des Empowerment sowie der Projektentwicklung lag. Gemeinsam mit dem Landesjugendamt, aber auch mit dem Paritätischen Bildungswerk und dem Zentrum für Lehrerbildung der MLU Halle entwickelten und realisierten wir verschiedene modulare Fortbildungsangebote und werden hier als kompetenter Partner mit dringend benötigtem Fachwissen angesehen.

Nicht zuletzt zeigt die monatlich steigende Frequentierung unserer Webseite www.lerneninterkulturell.de, die allein im September 2016 knapp 2.800 Mal aufgerufen wurde, sowie die hohe Nachfrage nach unserer sechssprachigen Broschüre „Elterninformation: Schule“, die nun bereits in der zweiten Auflage vergriffen ist, dass die Arbeit der Servicestelle „Interkulturelles Lernen in Kita und Schule“ wichtig und dringend notwendig ist. Schon jetzt gibt es zahlreiche Anfragen für die für das erste Quartal 2017 geplante „Elternbroschüre: Kita“, doch die Qualität unserer Arbeit wird unter den in Aussicht gestellten Kürzungen stark leiden und eine Realisierung eines solch umfangreichen Vorhabens kaum möglich.

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